Ein Welpe zum Kind? Ein Erfahrungsbericht…

Mein Mann ist mit Hunden aufgewachsen. Genau genommen mit Zwergschnauzern und Schäferhunden. Er hat das sehr genossen und war als Junge auf dem Hundeplatz und bei Wettbewerben sehr aktiv (und erfolgreich). Für ihn war klar, dass er diese Bereicherung auch im Leben seines Sohnes (und unserem) nicht missen möchte.

Ich hatte als Stadtkind „nur“ Wellensittiche und habe wenig Hundeerfahrung. Jedoch hatten wir schon mehrmals den Mini-Husky meiner Schwiegereltern für mehrere Wochen in Ferien und das habe ich sehr genossen. Ich bin wie mein Mann der festen Überzeugung, dass mit einem Tier aufwachsen die Empathie und Sensibilität stärkt. Auch mindert das Beisammensein mit Tieren erwiesen Stress und steigert die emotionale Stabilität. Das wir einen Hund haben möchten, war für uns daher bald klar.

Natürlich haben wir uns viele Gedanken gemacht, wann wohl der beste Zeitpunkt sein könnte. Und wie mit Kind sind wir auch beim Hund darauf gekommen, dass es den perfekten Zeitpunkt wohl nicht geben wird. Kurzum, wir hatten das Glück einen wunderbaren kleinen Zwergschnauzer-Welpen bei uns aufnehmen zu dürfen. Darf ich vorstellen: Das ist Zwerg-Otto!

Er ist bei uns eingezogen als Mateo gerade 13 Monate alt war. Als kleiner wirklich toller Zwergschnauzer ist er recht selbstbewusst (grenzt manchmal an Größenwahn) und sehr agil. Ein Zwergschnauzer, so habe ich mir sagen lassen, hat eine eigene Persönlichkeit und braucht durchaus eine gute und konsequente Erziehung, damit man ihn im Alltag auch immer gut dabei haben kann. Auch braucht er genug Beschäftigung, damit er sich nicht langweilt, denn recht intelligent ist er auch. Zum Glück kennt sich mein Mann da ja bestens aus, denn leider können wir ja im Moment wegen Covid nicht auf den Hundeplatz. Aber ich werde ganz bestimmt sobald es geht einen Grundkurs in der Hunde(halter)schule machen und mein Mann denkt darüber nach, ob er mit Otto später „Agility“ machen möchte.

Wir haben Otto und Mateo nur sehr vorsichtig und achtsam miteinander bekannt gemacht und gerade am Anfang sehr gut beobachtet, damit keiner von beiden mit dem Anderen eine schlechte Erfahrung macht. Diese Taktik ist gut aufgegangen. Otto fügt sich wirklich toll ein und Mateo geht gut damit um, dass der kleine Welpe manchmal ein wenig zu aufdringlich für seinen Geschmack ist. Kleinere Eifersüchteleien meinen wir manchmal auch zu erkennen, aber das hält sich wirklich sehr im Rahmen und wir achten darauf, dass jeder genug Aufmerksamkeit erhält.

Aber da sind wir auch schon gleich beim Thema: Genug Aufmerksamkeit für jeden heißt, dass Mateo wie immer bedürfnisorientiert versorgt wird. Otto brauchte gerade am Anfang, aber auch jetzt teilweise noch, viel Aufmerksamkeit, weil er sehr oft Gassi gehen muss. Auch möchte er natürlich spielen und ein wenig Erziehung beginnt auch jetzt schon. Wenn er nicht ausgelastet ist, wird er noch aufdringlicher, was sich nicht gut mit Mateo verträgt. Das bindet insgesamt super viel Zeit und natürlich nicht nur abwechselnd, sondern mit Vorliebe gleichzeitig. Das ist schon ganz schön blöd, wenn draußen acht Grad sind, der Einjährige nur für drinnen angezogen ist, der Welpe aber JETZT raus muss. Dann steht Mama / Frauchen schonmal mit Welpe auf einem Arm und Kind auf dem anderen Arm da und weiß nicht so recht weiter. Wenn man nun den Welpen absetzt, wird er sein Geschäft in der Wohnung verrichten. Mit einer Hand / Arm den Einjährigen warm anziehen ist aber auch nicht wirklich eine tolle – ganz zu schweigen von schnelle – Angelegenheit… Hund im Garten machen lassen ist für uns auch keine Option. Da ist Multitasking at its best gefragt. Und das am Anfang auf jeden Fall alle zwei Stunden oder auch mal öfters.

Ich persönlich habe ja die Luxussituation, dass mein Mann seine Werbeagentur in der unteren Etage unseres Hauses führt und daher (auch wegen weniger Auswärtstermine aufgrund von Covid) notfalls fast immer verfügbar ist. Da kann ich optional Kind oder Hund auch mal eben ins Büro „werfen“, wenn es sonst sehr schwierig wird. Auch haben wir aus Mateos Laufstallgitter einen kleinen Rückzugsbereich für Otto gebaut. Das ist sowohl für den Hund als auch für Frauchens Nerven Gold wert und aus meiner Sicht sehr empfehlenswert! Zumal es noch einen weiteren positiven Nebeneffekt hat: Otto verbringt generell die Zeit während wir essen im Laufstall. Das sorgt dafür, dass er nicht zum Betteln animiert wird und Mateo nicht übermäßig Spaß daran entwickelt Essen für Otto auf den Fußboden zu werfen.

Wir haben vereinbart, dass mein Mann in den ersten Wochen Nachts für den Hund zuständig ist. Zwar war es gerade am Anfang so, dass ich zuerst wach war und ihn dann wecken musste, aber da ich gleich weiter schlafen kann, war das kein Problem und für mich eine gute Lösung.

Mein persönliches Fazit ist: Für uns funktioniert es gut und ich möchte den kleinen Vierbeiner nicht mehr missen.

Wäre ich aber klassisch den ganzen Tag über allein mit den beiden „Kleinen“, dann hätte ich es jetzt noch nicht gemacht. Mir wäre das gerade in den ersten Wochen zu stressig geworden. Auch sind beide Kleinen super mit der Umstellung zurecht gekommen, dass ist nicht selbstverständlich und war neben gut geplant und ausgeführt ganz sicher auch ein gutes Stück Glück (und ein toll ausgesuchter Hund von Züchterin und meinem Mann). Wann genau ich es in einer klassischen Konstellation gewagt hätte kann ich im Moment noch nicht genau einschätzen, aber ich hätte sicherlich gewartet, bis mein Sohn mindestens vier gewesen wäre.

Letztendlich ist das wie immer im Leben: Das muss jeder für sich entscheiden und seine eigenen Umstände und Ansprüche selbst einschätzen und abwägen.

Ein Gedanke zu „Ein Welpe zum Kind? Ein Erfahrungsbericht…“

  1. Super geschrieben, ich als Schwiegermama kann dem nur zustimmen. Das läuft bei euch perfekt mit den beiden „Kleinen“.

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